Kleindenkmale

Bei einem Streifzug durch die schwäbische Kulturlandschaft trifft man vielerorts auf kleine Bauwerke und Objekte aus Holz, Stein oder Metall. Diese so genannten Kleindenkmale, zum Beispiel Feldkreuze, Brunnen, Grenz- und Gedenksteine, Weinberg-Unterstände oder Statuen, sind wichtige Zeitzeugen heimischer Kulturgeschichte. Der Begriff Kleindenkmal ist nicht abschließend zu definieren; üblicherweise versteht man darunter ortsfeste, frei stehende, kleine und von Menschenhand in handwerklicher Arbeit geschaffene Objekte. In der Denkmalpflege zählen Kleindenkmale, sofern sie unter die Kriterien der Kulturdenkmale des Denkmalgesetzes fallen, zu den Kunst- und Baudenkmalen.

Alle Kleindenkmale haben eines gemeinsam: Sie sind zu einem bestimmten Zweck geschaffen worden. Manche erinnern an besondere Begebenheiten oder Personen, beispielsweise an Unglücke, Kriege, Hungersnöte, Morde oder Hinrichtungen. Andere gedenken erfreulicher Ereignisse, wie Siege und Jagderfolge. Viele der Gebilde, wie die zahlreichen Bildstöcke und Feldkreuze in katholischen Gegenden, haben einen religiösen Ursprung, manche, wie steinerne Ruhebänke, Bogenbrücken an Bächen oder Unterstände in den Weinbergen, einen praktischen Nutzen. Naturdenkmale (Bäume, Felsen usw.) werden nicht zu den Kleindenkmalen gezählt.

Im Jahr 2001 wurde vom Schwäbischen Heimatbund zusammen mit dem Schwäbischen Albverein, dem Schwarzwaldverein und weiteren Partnern ein landesweites Projekt zur Dokumentation (siehe unten) der Kleindenkmale in Baden-Württemberg ins Leben gerufen: Ausgestattet mit standardisierten Erhebungsbögen sind seitdem Hunderte Ehrenamtlicher in den jeweiligen Projekt-Landkreisen unterwegs, um Kleindenkmale zu erfassen.
Dem Schwäbischen Albverein kommt bei der landesweiten Dokumentation wegen seiner Mitgliederstärke und der Größe des Vereinsgebietes eine entscheidende Rolle zu. Als hilfreiches Handwerkszeug dient den vielen Engagierten ihre Ortskunde und ihr heimatkundliches Wissen.

Auch für Wanderführer sind Kleindenkmale wichtige Wegmarken. Informationen zu Kleindenkmalen als geschichtliche Informationen oder als interessante Anekdoten werden bei Wanderungen von den Teilnehmern gerne aufgenommen.

 

Landesweites Projekt zur Erfassung der Kleindenkmale

Das seit 2001 landesweit laufende Projekt zur Erfassung der Kleindenkmale wurde von den großen Wandervereinen, dem Schwäbischen Albverein, dem Schwäbischen Heimatbund und dem Schwarzwaldverein zusammen mit dem Landesamt für Denkmalpflege initiiert und umgesetzt. Die Gesellschaft zur Erhaltung und Erforschung der Kleindenkmale (GEEK) hat ihre Erfahrungen dazu beigesteuert.

Die Dokumentationsarbeit wird ausschließlich von ehrenamtlichen Mitarbeitern vor Ort ausgeführt, die sich in der Umgebung ihrer Wohnorte auskennen. Mit großer Hingabe und Detailtreue machen sie die historischen Denkmale ihrer Umgebung – zum Teil verborgen oder vergessen und fast verloren hinter Hecken – ausfindig, fotografieren diese, bestimmen Alter und Zweck und halten ihre geografische Lage, evtl. Inschriften, Maße und Besonderheiten in Erhebungsbögen genau fest. Recherchearbeiten in Stadt-, Kirchen- und Kreisarchiven gehören nicht dazu und sind – quasi als „Kür“ – dem einzelnen überlassen.

Beim Landesamt für Denkmalpflege wurde eine Koordinationsstelle eingerichtet. Dort werden die Ehrenamtlichen für die Erfassungsarbeit geschult und betreut. Sind in einem Landkreis die Erhebungen abgeschlossen, werden die erhobenen Daten im Amt bearbeitet. Hier erfolgt auch die Systematisierung und Digitalisierung der Daten. In der Regel dauert eine Landkreiskartierung zwei bis drei Jahre. Mehr als 1.200 Ehrenamtliche haben bisher rund 60.000 Objekte dokumentiert (Stand Ende 2012).

Ziel der landesweiten Erfassung ist eine möglichst flächendeckende, systematische Bestandsaufnahme aller Kleindenkmale, um diese verstärkt ins öffentliche Bewusstsein zu rücken. Damit soll ein besserer Schutz, eine verstärkte Beachtung sowie die Sicherung und Pflege der Kleindenkmale erreicht werden.

Informationen dazu unter: www.denkmalpflege-bw.de/denkmale/projekte/bau-und-kunstdenkmalpflege/erfassung-der-kleindenkmale-in-baden-wuerttemberg.html

Literaturhinweis:
Dieter Kapff, Reinhard Wolf:
Kulturgeschichte am Wegesrand, Kleindenkmale in Baden-Württemberg
Staatsanzeiger-Verlag, Stuttgart 2008

Kleindenkmale sind „Lesezeichen“ zum Verstehen der Geschichte.

Im folgenden einige Beispiele:

1. Grenzsteine

2. Steinkreuze

3. Brunnen

4. Bildstöcke

5. Unterstände

6. Trockenmauern

 

Gefahren für Kleindenkmale

  • Versetzung von Kleindenkmalen:

Kleindenkmale erfüllen ihren Sinn an dem Ort, an dem sie einst aufgestellt worden sind. Ein Grenzstein, der von der Gemarkungsgrenze in die Ortsmitte versetzt wird, um ihn vor Diebstahl zu bewahren, hat seinen geschichtlichen Bezug und seine Bedeutung verloren. Eine steinerne Ruhebank, einst geschaffen, um weit draußen an einem steilen Weg seine Rückenlast absetzen zu können, hat in einer innerstädtischen Parkanlage ihre Sinnhaftigkeit eingebüßt.

  • Beschädigung von Kleindenkmalen:

Durch Baumaschinen: Kleindenkmale werden bei Straßenbau-, Waldarbeiten oder bei der Erschließung von Baugebieten oftmals übersehen und von schweren Maschinen beschädigt. Eine mögliche Vorsichtsmaßnahme ist, neben einem Kleindenkmal einen Pfosten einzuschlagen und ein rot-weißes Band anzubringen, um das kleine Objekt weithin sichtbar zu machen und zu sichern.

Durch Umweltverschmutzung und Witterungseinflüsse: Wenig Schutz kann den Kleindenkmalen gegen die Luft- und Umweltverschmutzung geboten werden. Keinesfalls sollte man jedoch Flechten, Algen und Moos entfernen – diese schützen den Stein vor schädlichen Einflüssen!

Durch Vandalismus: Dagegen hilft lediglich Prävention, indem Kleindenkmale in den öffentlichen Blick gerückt werden und die Vorbeikommenden ständig ein Auge darauf haben.

Durch Diebstahl: Besonders Grenzsteine mit schönen Wappen oder Steinkreuze sind begehrte Sammlerobjekte, die gestohlen und verkauft werden. Auch hier hilft nur Aufmerksamkeit und Strafverfolgung.

 

Tipps für Wanderführer zu Kleindenkmalen

Kleindenkmale sind ein Anlass, innezuhalten, zu verschnaufen und sich zu sammeln. Das bietet dem Wanderführer eine gute Gelegenheit, einiges an Hintergrundwissen zu vermitteln. Informationen finden sich in einigen Fällen in den Tourenbeschreibungen (Internet, Wanderliteratur des Albvereins oder der Region). Man kann sich auch an die Ortsverwaltungen, Touristeninformation sowie die örtlichen Archive und Museen wenden.

Kleindenkmale stehen manchmal im Zusammenhang mit anderen Denkmalen. So sind in der Nähe eines Klosters oder eines Wallfahrtsortes meistens Bildstöcke, Grotten oder Kreuze zu finden. Die Geschichte, die man bei der Besichtigung der Kirche oder Klosteranlage gehört hat, kann am Wegesrand im Vorbeigehen vertieft werden.

Bei den religiösen Kleindenkmalen, wie bei Bildstöcken oder Heiligenfiguren, kann man meistens auch Beziehungen zur Landschaft und Geschichte herstellen: Die Figur des Hl. Nepomuk ist in der Regel an Brücken zu finden, der Hl. Urban steht für den Weinbau oder die Hl. Barbara im Zusammenhang mit dem Bergbau.

Eine andere Möglichkeit ist, die Wanderteilnehmer zu eigenen Aktivitäten zu motivieren. Vor dem Start kann der Auftrag gegeben werden, eine bestimmte Art von Kleindenkmalen zu zählen. Auch Fotos, die unterwegs gemacht werden, können später gemeinsam besprochen werden.

Interessant kann es auch sein, die Gruppe an historische Grenzen zu erinnern und heranzuführen. Manche Gemarkungen lassen sich anhand der Grenzsteine verdeutlichen und abgehen. Ein gemeinsamer Grenzumgang ist eine tolle Art, die Größe und Lage der Gemarkung seiner Heimatgemeinde erfahrbar zu machen. Die Kerben oder Rillen auf den Grenzsteinen und die Kennziffern weisen der Gruppe den Weg.

Kleindenkmale können die Wanderführer unterstützen beim Erklären der Landschaft und der Geschichte – sozusagen im Vorbeigehen, ganz nebenbei, am Wegesrand.

 

Die Inhalte basieren auf einem Beitrag, den die Koordinatorin des landesweiten Projekts, Martina Blaschka, 2003 speziell für den Schwäbischen Albverein verfasst hat.