Steinkreuze

Stein- oder Sühnekreuz sind keine religiösen Kleindenkmale, sondern stehen in rechtlichem Zusammenhang mit frühmittelalterlichen Bräuchen bei Kapitalverbrechen. Derartige Kreuze waren Bestandteil der Sühne, die von  forderte, dass ein steinernes Kreuz an einer öffentlichen Stelle, nämlich am Ort des Verbrechens, aufzustellen war. Bis der Täter ein solches Kreuz beschaffte oder selbst verfertigte, hatte er manche Buße geleistet…

 

Steinkreuz aus Muschelkalk bei Gerabronn-Oberweiler (Foto © R. Wolf)
Bei Gerabronn-Oberweiler (Landkreis Schwäbisch Hall) steht an einer Weggabelung dieses 1,20 Meter hohe Steinkreuz aus Muschelkalk. Geradezu archaisch wirkend mahnt es die Vorbeikommenden, dass hier ein Kapitalverbrechen geschehen sein soll. Akten darüber gibt es keine; dem Volksmund zufolge sollen hier zwei Schäfer Streit gehabt haben. Während sie stritten, mischten sich ihre Herden, und das soll den einen so erbost haben, dass er seinen Kollegen umbrachte.

 

Steinkreuz mit Inschrift bei Tiefenbronn-Mühlhausen (Foto © R. Wolf)
Selten tragen Steinkreuze Inschriften wie dieses bei Tiefenbronn-Mühlhausen (Enzkreis): „1595 / den 8. Tag / Februarii / an diese Ort wart ershlagen / Jerg Pfefflin von Mercklingen / Das thur ich klagen“. Näheres zur Geschichte ist nicht bekannt. Das eingeritzte Zeichen stellt angeblich ein Weberschiffchen dar; ob der Erschlagene Weber war, ist aber unbekannt. Das Kreuz war seit 1950 verschwunden, wurde 1978 wieder gefunden und an öffentlichem Platz sicher aufgestellt.