17. Mundartfestival in der Liederhalle – ein heiterer und geistreicher Abend

Zwei Künstlerinnen und ein Künstler spielten auf der Klaviatur schwäbischer Laute und Worte

    

 

Das „Mundartfestival“ des Schwäbischen Albvereins in der Stuttgarter Liederhalle, welches seit 17 Jahren gemeinsam mit dem Silberburg-Verlag veranstaltet wird, fand vor erneut großer Fangemeinde statt. Rund 230 Zuschauer waren in den Silchersaal der Liederhalle gekommen, um schwäbischer Lesart, lustigen Parodien und Liedern zu lauschen. Ein erwähnenswertes Novum: Die Frauen auf der Bühne waren mit der Liedermacherin Bettina Kästle und der Schriftstellerin Sabine Stahl in der Überzahl. Daneben gab Sebastian-Blau-Preisträger Hanno Kluge eigene und „gecoverte“ Gedichte zum Besten.

Nach einer kurzweiligen Begrüßung durch den Vizepräsident des Schwäbischen Albvereins, Hansjörg Schönherr, führte Helmut Pfitzer, selbst Mundartkünstler und Organisator des Festivals durch den Abend.

Zuerst kündigte er Sabine Stahl als neuen „Stern am Mundarthimmel“ an. Sie rezitierte aus ihrem Gedichtband „Komm bleib hocka“, worin sie auch allerlei Geheimlaute der Schwäbischen Sprache analysiert, wie zum Beispiel die Wörter „Ei“ und „ein“: A Oi, oi Ai, a Ai, oi Oi. Ein richtiger Schwabe weiß jedenfalls, was gemeint ist. Später gab sie einige Haikus zum Besten und zeigte damit, dass nicht nur die Japaner diese kürzeste Gedichtform der Welt beherrschen:

No hocka
Lacha, heula und na
Los lassa

Aber Stahl ist nicht nur in japanischer Lyrik firm, sie kann auch Aphorismen à la Kafka. Auch interpretiert sie Jean-Paul Sartre, wenn es um die Magie zwischen zwei Menschen geht: “Was isch, wenn du zu mir ins Zimmer kommsch?“ Die detailgenaue Beschreibung, zum Beispiel in den Miniaturen „s Meer“ oder „d Berg“ – „beides schee“, schafft die Schriftstellerin par excellence.

Nach Sabine Stahl trat Bettina Kästle mit ihrer „Kästlemusik“ (Gitarre, Mundharmonika, mehrere Akkordeons, kraftvolle Stimme) auf die Bühne. Mit glasklaren Beschreibungen alltäglicher Unannehmlichkeiten, wie einem angstbesetzten Zahnarztbesuch („lieber Gott, der Mensch isch klein, lass es dismol bloß Zahnstei sei“), der unfreiwilligen Wanderung als Kind mit der Familie oder einem verunglückten Kinobesuch – Riese vor der Nase, Popcornschaufler als Nebensitzer, Fußtritte vom Hintermann – brachte sie das Publikum zum Lachen.

Als dritter im Bunde der Dialektkünstler trat Hanno Kluge auf. Er las aus seinem Gedichtband „Federspiele“. Die Zuschauer konnten sich an geistreichem Wortwitz und literarischer Feinsinnigkeit erfreuen. Er zog u.a. über schwäbische Wesensmerkmale, wie Sparsamkeit, Bruddeligkeit oder Fleiß her. Vom Stuttgarter Hauptbahnhof hatte er einen passenden Witz auf Lager: Dort saß ein Obdachloser, dem hatte täglich ein reicher Boschmitarbeiter einen Euro in den Hut geworfen. Plötzlich waren es nur noch 50 Cent und die Erklärung lautete, der Sohn habe zu studieren begonnen. Der Obdachlose daraufhin: „Heidenei, do koschs nemme, jetzt lässt d‘r sein Junga auf meine Koschta studiera“.

Resumée des Abends: „Deutsch ist eine Sprache, Schwäbisch eine Vollendung“ (Hanno Kluge).

Übirgens:

Die Bücher „Federspiele“ von Hanno Kluge und „Komm, bleib hocka“von Sabine Stahl gibt es auch im Shop des Schwäbischen Albvereins:

 https://albverein-shop.de/shop/item/9783842530027/federspiele-von-susanne-kluge-zimmerer-gebundenes-buch

https://albverein-shop.de/shop/item/9783842520318/komm-bleib-hocka-von-sabine-stahl-gebundenes-buch

Das Thema „Mundart“ hat beim Schwäbischen Albverein eine langjährige Tradition. Der Mundartkünstler Helmut Pfitzer hob im Jahr 2000 die Idee aus der Taufe, regelmäßige Kleinkunstveranstaltungen mit mundartbezogener Musik und Literatur zu etablieren. Mittlerweile gibt es im Vereinsgebiet fast 30 Mundartbühnen, die unterhaltsame Kleinkunst auf hohem Niveau anbieten.

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Über swaechter

Ich bin freie Journalistin und also solche für die Pressearbeit des Albvereins/Gesamtverein zuständig. Zur Pressearbeit beim Schwäbischen Albverein gehört beispielsweise die Erstellung von Pressemitteilungen und Texten, die Fotobeschaffung, die redaktionelle Arbeit für die Homepage, die Berichterstattung über vereinsinterne Veranstaltungen und Informationsforen, die Zusammenstellung von Presseunterlagen, die Realisierung von Presseterminen und Pressekonferenzen und die Entwicklung von Presseplänen über das Jahr. Außerdem arbeite ich punktuell für verschiedene Verlage als Redakteurin. Weiterhin mache ich projektbezogene Pressearbeit für Unternehmen, Messen sowie Vereine und Verbände. Meine Schwerpunkte sind Umwelt, Naturschutz, Gesundheit, Tourismus, aber auch Facility Management und Kommunaltechnik.